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Spätestens seit den Anschlägen des 11. September 2001 und den darauffolgenden Attentaten in Madrid und London werden männliche muslimische Migranten vorwiegend als potentielle Täter wahrgenommen. Diese Betrachtungsweise ist auch an den Gegensatz zwischen ‚westlicher’, Identität und ‚muslimischer’ Identität gekoppelt, in dem der Funktion und dem Einsatz von Gewalt unterschiedliche Bedeutung zugemessen werden: Einerseits die ‚aufgeklärte’, ‚westliche’ Welt, in der Gewalt quasi gebändigt erscheint, und andererseits ‚traditionelle’ oder ‚vormoderne’ muslimische Gesellschaften, in denen unmittelbare Gewalterfahrungen allgegenwärtig erscheinen. Dies gilt für den öffentlichen und politischen Bereich ebenso wie für die private Sphäre, in der geschlechtsspezifische Gewalt vor allem bei männlichen muslimischen Migranten verortet wird — wie in den Debatten über Zwangsheirat, sogenannte ‚Ehrenmorde’, oder häusliche Gewalt deutlich wird.
Dieser Gewaltdebatten vernachlässigen allzu häufig zwei grundlegende Erkenntnisse der Gewalt- und Migrationsforschung: Erstens, Gewaltdefinitionen, einschließlich der Zuschreibung von ‚legitim’ bzw. ‚illegitim’ sind wandelbar und abhängig von Machtverhältnissen. Zweitens, Migrationsbewegungen sind eben auch Ergebnis von Gewalt, sei es in deren direkter Form als eine Folge von Kriegen und Konflikten, oder als Auswirkung von struktureller Gewalt wie asymmetrischen Machtverhältnissen und ungleichem Zugang zu Ressourcen. In diesem Panel werden unterschiedliche Gewaltdiskurse aufgenommen und nach ihrer Bedeutung für die Konstruktion von Männlichkeiten befragt. Eugène Sensenig-Dabbous/Guita Hourani und Josi Salem-Pickartz/Ruba Farkh thematisieren Identitätsprozesse unter männlichen Migranten, die wegen Kriegen oder politischer Verfolgung flohen. Dabei werden im ersten Beitrag anhand des isralisch-libanesischen Krieges vom Sommer 2006 beleuchtet, welche Auswirkungen dieser Konflikt auf männliche Rollenverständnisse sowohl innerhalb Libanons als auch in den diasporischen Gemeinschaften hatte. Einer durch Stress- und Traumaerfahrungen der Migrationserfahrung erzeugte Verunsicherung, wird u.a. damit begegnet, dass diesen eine ‚traditionelles’, hypermaskuline Rollenideal gegenübergestellt wird, wie Salem-Pickartz und Farkh auf der Grundlage ihrer psychosozialen Beratungstätigkeit mit männlichen Migranten in Jordanien hervorheben. Wie männliche muslimische Migranten häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder wahrnehmen, und wie diese Sichtweise den Umgang von Migranten mit Einrichtungen und Institutionen des kanadischen Staates prägen, die sich vorrangig an Frauen und Kinder richten, ist Gegenstand des Beitrages von Mohammed Baobaid/Yasmin Hussain. Susanne Spindler beschreibt in ihrem Beitrag über junge Männer mit Migrationshintergrund, die inhaftiert sind, wie sich Männlichkeitskonstruktionen und Rassismus im Spannungsfeld von Fremdzuschreibung und Selbstwahrnehmung wechselseitig verstärken.
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Forced Migration and Masculinity: The Impact of the
Summer War 2006 on Lebanese Male Identity at Home and Abroad Abstract (english)
Prof. Dr. Eugène Sensenig-Dabbous, Notre Dame University, Zouk Mosbeh, Lebanon (presented in German) |
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